Die Beschleunigung des Kontaktlosen: der neue digitale Alltag

Die Beschleunigung des Kontaktlosen: der neue digitale Alltag

Die Beschleunigung des Kontaktlosen: der neue digitale Alltag 606 340 Trendsformative

In Zeiten einer Pandemie ist Abstand das Gebot der Stunde, und wie zufällig fällt diese spezielle Epoche zusammen mit dem exponentiellen Wachstum berührungsloser Technologien. Mit Edge Computing wird die neue technologische Revolution den Alltag von Menschen und Unternehmen nachhaltig verändern, und dies aus mehreren Gründen.

 

Die groben Umrisse eines Megatrends

Der eiserne Arm eines Roboters, der in einem Restaurant Tassen füllt. Eine Minibar, die durch die Hallen eines Hotels wandert. Autonome Fahrzeuge, die Essen auf Rädern ausliefern. In Südkorea ist die kontaktlose Welt bereits Realität. „Untact“ (eine Kombination aus „undo“ und „contact“) gehört sogar zu den Kernelementen eines 55 Milliarden Euro schweren strategischen Konjunkturplans1. Doch auch wenn Korea technologisch an der Spitze steht, ist es bei Weitem nicht das einzige Land, das in Technologien investiert, die das Abstandhalten erleichtern.

In Europa verdeutlicht vor allem die Entwicklung kontaktloser Zahlungsmöglichkeiten (NFC – Near Field Technology) diesen Trend. Eine aktuelle Studie zeigt, dass im Juni 2020 65% der Zahlungstransaktionen kontaktlos abgewickelt wurden. Neun Monate zuvor waren es lediglich 30%2. Rein technisch handelt es sich bei kontaktloser Bezahlung um eine Identifizierungsmethode durch Radiofrequenz-Identifikation (RFID), durch die das Zahlungsterminal eine Verbindung zur Bankkarte herstellt. Aber der Begriff „kontaktlos“ beschreibt ein sehr viel größeres Phänomen, denn er umfasst auch die vielversprechendste technologische Entwicklung der nächsten Jahre: das Internet der Dinge (IoT). Ob durch RFID, Bluetooth, Wifi, 4G oder bald 5G – die Verbindung zwischen dem Internet und einzelnen Geräten eröffnet enorme Chancen. Durch die Integration von künstlicher Intelligenz (KI) können Hersteller außerdem die Funktionsweise von vernetzten Objekten für zahlreiche Anwendungen wie Überwachungskameras, autonomes Fahren oder Sprachassistenten erheblich verbessern. Hier stehen zwei Aspekte der künstlichen Intelligenz im Vordergrund: Gesichtserkennung und Spracherkennung.

Edge Computing: ein technologischer Quantensprung

Schon in den letzten Jahren hat sich die technologische Entwicklung erheblich beschleunigt, doch dank Edge Computing stehen wir heute vor einem Quantensprung. „Noch vor knapp zwei Jahren waren Gesichts- und Spracherkennung nur mit viel Rechenleistung und Energie möglich und daher entsprechend teuer“, so Duncan Stewart, Forschungsdirektor im Bereich Technology, Media & Telecommunications (TMT) bei Deloitte Canada. Warum? Weil vernetzte Objekte nicht intelligent waren und als dumb devices lediglich Informationen aufzeichnen und an ein für die Verarbeitung zuständiges Rechenzentrum weiterleiten konnten. „Seit 2018 haben wir phänomenale Fortschritte erzielt; mittlerweile verfügen wir über selbstlernende Chips, die weniger als 1 Gramm wiegen und keine 5 Dollar kosten.“ Das Herzstück der Geräte ist ein sogenannter NPU-Chip (Neural Processing Unit) zur Ausführung von Verarbeitungsalgorithmen auf Grundlage künstlicher Intelligenz. Diese Prozessoren können eigenständig, also ohne Cloud-Anbindung, Gesichter erkennen, Fragen beantworten oder Objekte per Stimme steuern.
Der Fortschritt ist erheblich. Der Experte erinnert an das berühmte Moorsche Gesetz, nach dem sich die Leistung integrierter Schaltkreise bei konstanten Kosten alle 18 Monate verdoppelt. „Bei NPUs verdoppelt sich die Rechenleistung… jeden Monat.“ In einem Jahr werden NPUs 50-mal leistungsfähiger sein und dabei 25-mal weniger Energie verbrauchen. Das ist eine echte Revolution.“

Bedingungen für langfristigen Erfolg

Vorausgesagt wurden die rasanten Fortschritte dieser Technologien bereits vor der Pandemie, doch die Krise hat sie in außerordentlicher Weise beschleunigt. „Wir haben die Entwicklung von fünf Jahren in fünf Monaten vollzogen“, so Duncan Stewart. Zutrittssteuerung per Gesichtserkennung, Sprachassistenten… die Anwendungen sind zahllos – und sie kommen just zu einer Zeit, in der wir unsere Kontakte einschränken müssen. In diesem Jahr sollen 500 Millionen Edge-AI-Chips verkauft werden, im kommenden Jahr bereits mehr als eine Milliarde.

Jenseits der aktuellen Gesundheitskrise können diese Chips auch zur Lösung der größten Probleme in den nächsten zehn Jahren beitragen: Bis 2025 werden absehbar etliche Milliarden Geräte miteinander vernetzt sein3, allerdings ist eine drastische Reduzierung der dabei erzeugten Datenmenge unabdingbar. So werden nach Angaben von Gartner aktuell 91% der Daten in zentralisierten Rechenzentren verarbeitet. Um den Energieverbrauch zu senken und die Netze zu entlasten, müssen bis 2022 74% aller Daten direkt in den Geräten analysiert werden4.

Ein weiterer Vorteil, der für den Erfolg der Technologie spricht: Edge-AI-Geräte können Daten wesentlich schneller verarbeiten als IoTs, die mit Cloud-Servern verbunden sind. Informationserfassung, Entscheidungsfindung und -umsetzung sind in Echtzeit möglich. Das ist keineswegs reine Rhetorik, wie am Beispiel autonomer Fahrzeuge deutlich wird, denn hier zählt jede Mikrosekunde.

Darüber hinaus hat Edge Computing einen weiteren Vorteil: Die Verarbeitung von Informationen direkt im Gerät würde das Risiko von Hacker-Angriffen erheblich reduzieren. In vielen Einsatzbereichen dieser Technologie, zum Beispiel in der Videoüberwachung, ist Datenschutz ein wichtiges Thema. Kameras können selbst lernen und Videodaten lokal verarbeiten, Menschen identifizieren und ihnen folgen. Ähnlich können Wärmebildkameras in Flughäfen Passagiere erkennen, deren Temperatur 38°C überschreitet, ohne dass die Daten über den Flughafenbereich hinausgehen. Sicherheit ist ein zusätzlicher Aspekt, der Duncan Stewart in seiner Überzeugung bestätigt, dass diese Technologie auf Jahrzehnte hinaus Bestand haben wird.

Hinweise –
1. https://www.lemonde.fr/economie/article/2020/09/23/avec-le-coronavirus-bienvenue-dans-un-monde-sans-contact_6053228_3234.html
2. https://www.lesechos.fr/finance-marches/banque-assurances/covid-19-le-sans-contact-devient-la-norme-dans-le-monde-pour-les-paiements-par-carte-1218272
3. https://www.businesswire.com/news/home/20200403005273/en/IoT-in-Manufacturing-2020-2025-Global-Markets-Dominated-by-Cisco-Systems-General-Electric-Intel-IBM-ATT-Qualcomm-and-Siemens—ResearchAndMarkets.com
4. https://ledigitalpourtous.fr/2020/07/02/edge-ai-la-confluence-entre-ledge-computing-et-lintelligence-artificielle-2/